Auf Kreuzfahrt in der Corona-Zeit – wie läuft das ab?

Vor einem Jahr, am 07. November 2019, war ich in Hamburg, um an einem ganz besonderen Event teilzunehmen.

Im Hamburger Hafen lag das neue Kreuzfahrtschiff der Reederei MSC Cruises, die MSC GRANDIOSA, mit 19 Decks und Platz für 6334 Passagiere eins der größten und sicherlich schönsten Kreuzfahrtschiffe der Welt.  

Mehrere Tage lang hatten Touristiker, Journalisten, Blogger und Co. Gelegenheit, dieses wirklich grandiose Schiff zu erkunden, bevor es als Höhepunkt dieses einmaligen Events im Hamburger Hafen mit vielen Promis an Bord und, wie bei MSC üblich, von der Schauspiellegende Sophia Loren feierlich getauft wurde.  

Die Atmosphäre an Bord war einfach wunderbar. Das ganze Schiff strahlte in frischem Glanz! Jeder ließ sich auf den funkelnden Swarovski Treppen fotografieren und postete die Bilder in alle sozialen Netzwerke der Welt.  

Alle waren in großartiger Stimmung, man blickte in Feierlaune auf das neue Jahr 2020, für das die Branche 3 Millionen Kreuzfahrtpassagiere aus Deutschland erwartete. Und auf die nächsten Jahre, in denen viele neue Kreuzfahrtschiffe das Licht der Ozeane erblicken sollten. MSC Cruises verkündete, bis 2027 die Flotte auf 27 Schiffe erweitern zu wollen, mit neuen innovativen Schiffsklassen. 

Die Auftragsbücher der Werften waren für Jahre gefüllt, denn die Reedereien mussten der weltweiten Nachfrage nach Kreuzfahrten gerecht werden und gleichzeitig in den Ausbau umweltfreundlicherer Technologien an Bord investieren.  

Nach einem besonderen Taufmenü im eleganten Restaurant standen wir in der Novembernacht vor einem Jahr alle dicht an dicht auf der Galeria Grandiosa, der Shopping- und Restaurantmeile des Schiffes unter einem 93m langen LED-Himmel, der immer die Motive wechselt. Über uns auf einer Brücke legte ein italienischer DJ auf. Die Stimmung konnte besser nicht sein.  

Kennt ihr das aus Filmen, wenn plötzlich so ein reißendes Geräusch kommt, dass die Handlung stoppt? Hätte plötzlich jemand verkündet, dass zwei Monate später ein neuartiges Virus in die Welt kommt, das die gesamte Wirtschaft und auch die Kreuzfahrtbranche auf Eis legt, wäre es wohl so gewesen. An diesem besonderen und unvergesslichen Abend war das aber noch so weit weg wie der Mond.  

Doch wie ihr alle wisst, ist mit dem neuen Jahr 2020 auch das Corona-Virus gekommen.

Und es kam unfassbarer Weise wirklich so weit, dass im Frühjahr kein einziges Kreuzfahrtschiff mehr fuhr – mit Ausnahme einiger weniger Schiffe, die das Virus auf Weltreise erwischt hatte, wie die MS Artania, die von Australien mit den weltweit letzten 8 Passagieren an Bord nach Deutschland fuhr. Aber das ist eine andere Geschichte.  

Die Zwangspause der Reedereien hielt viel länger an als gedacht. Von Monat zu Monat wurden Reisen abgesagt, die Verluste gehen inzwischen in die Milliarden.  

Dann endlich, ab Juli 2020, gingen die ersten Reedereien vorsichtig mit ein, zwei Schiffen wieder an den Start.  

Monatelang hatten sie Konzepte ausgearbeitet, wie man eine Kreuzfahrt in Zeiten von Corona überhaupt durchführen kann, damit sich die Passagiere an Bord wieder sicher fühlen.  

Eine der Reedereien, die ganz vorne beim Neustart mit dabei waren, ist MSC Cruises. Gemeinsam mit einem Experten-Team, zu dem renommierte Mediziner und Virologen gehören, hat man in monatelanger Arbeit einen Covid-19-Protection-Plan ausgearbeitet.  

Und seit August ist die MSC Grandiosa das erste Schiff der Flotte (die sonst aus 17 Schiffen besteht), das wieder im Mittelmeer unterwegs ist. 

Ich war im Juni 2019 auf Mittelmeer-Kreuzfahrt mit der MSC Bellissima, dem damals ganz neuen Schwesterschiff der Grandiosa. 

Nun, im Oktober 2020, konnte ich auf die MSC Grandiosa zurückkehren, die mir von dem Taufevent so wunderbar in Erinnerung geblieben war.  

Ich fuhr wieder mit meiner Familie nach Genua, um von dort einige italienische Häfen anzusteuern und bis Malta zu fahren.   

Die beiden Schwesterschiffe sind wirklich fast identisch (die Grandiosa ist ein klein wenig länger), daher konnte ich perfekt vergleichen, wie ich die Kreuzfahrt vorher und nachher empfinde:  

Also vorher auf einem fast ausgebuchten Schiff ohne Einschränkungen und jetzt mit deutlich weniger Passagieren an Bord und mit einem bis ins Detail ausgearbeiteten Hygiene-Konzept 

Und darüber möchte ich euch nun ausführlich berichten!

Das wirklich Erstaunliche ist, dass ich letztes Jahr nach der Kreuzfahrt mit der Bellissima, bei der wir nur einen Seetag hatten, gesagt habe: 

Dieses Schiff bietet so viel, eigentlich war ein Seetag zu kurz, um das Schiff richtig zu genießen. Es hätte theoretisch auch eine Woche im Kreis fahren können, es hätte uns nichts ausgemacht! 

Und nun, mit der Grandiosa, ist es wirklich so ähnlich gekommen! 

Zwar fuhr sie nicht nur eine Woche herum, ohne dass man an Land gehen konnte, wie es einige Reedereien anfänglich als sogenannte Blaue Reisen angeboten hatten.  

Wir sind in Genua gestartet, waren am zweiten Tag in Civitavecchia, von wo aus man nach Rom fahren kann, dann in Neapel, in Palermo und fuhren bis Malta. Dazwischen gab es 2 Seetage. 

Dadurch, dass wir nur einen Ausflug gebucht hatten, nämlich in Neapel, hatten wir diesmal wirklich ausgiebig Zeit, das Schiff zu genießen. 

Normalerweise sind wir nämlich die, die gerne auf eigene Faust in den Häfen los ziehen…sich in den Städten umsehen, ein bisschen shoppen und in einem Café sitzen, um mit W-Lan und einem Kaffee die Einheimischen und die Touristen zu beobachten. So etwas war jetzt leider gar nicht möglich. Aber zu unserem Ausflug komme ich gleich noch.  

Zuallererst kam die Einschiffung mit Corona-Test…

Zu Beginn der Einschiffung mussten wir unsere Gesundheitsfragebögen abgeben, diese sollten wirklich erst am Tag der Einschiffung ausgefüllt werden, damit die Angaben ganz aktuell sind.  

Dann mussten wir einen Corona-Test machen, der im Reisepreis bereits enthalten war. Hierbei handelt es sich um einen Antigen-Test. Wer dazu Genaueres wissen möchte und fachlich interessiert ist: Ich verlinke unten den hervorragend recherchierten Artikel des Journalisten Franz Neumeier von Cruisetricks. 

Der Anblick des von Kopf bis Fuß in Schutzanzüge gehüllten medizinischen Personals an der Teststation war zwar etwas befremdlich, aber die Atmosphäre war ganz locker. Manche Leute waren aufgeregt, aber die meisten hatten eher einen lustigen Spruch parat für die Mitreisenden, die vor ihnen dran waren. 

Unsere Kinder machten den Anfang, die “Kleinen” (5 und 12 Jahre) erhielten einen Abstrich im Mund, unser Großer (er ist 14) hatte Pech und musste schon den unangenehmeren Abstrich in der Nase über sich ergehen lassen, so wie alle Erwachsenen auch. Und ich muss ehrlich sagen, der war alles andere als schön. So ein langes Stäbchen tief in die Nase gesteckt zu bekommen, wer läuft da nicht rot an und verspürt den Drang, der noch so netten medizinischen Fachfrau das Ding aus der Hand zu schlagen?! Das können bestimmt alle, die so einen Test schon mal am Flughafen oder beim Arzt machen lassen mussten, sicher bestätigen! Doch ohne diesen Test keine Kreuzfahrt… 

Nach diesem ganz neuen Erlebnis, das definitiv keine nette Urlaubserinnerung werden würde, wurden wir einer Nummer im Wartebereich zugewiesen, und nach ca. einer Stunde durften wir dann an Bord gehen. Das bedeutete also, dass das Ergebnis negativ ausgefallen war. Andernfalls hätte man uns herausgebeten. Aber wir waren drin, und als wir das Schiff betraten und auf die herrliche Galeria blickten, stieg die Laune auch direkt wieder. 

Was wäre passiert, wenn der Test positiv gewesen wäre?

Dann hätten wir wieder nach Hause fahren müssen. Ist einer aus der Familie positiv, dürfen alle anderen auch nicht an Bord. Mit diesem Risiko reist man eben leider während einer Pandemie.  

Allerdings hätten wir durch die Covid-19-Versicherung, die bei MSC im Reisepreis enthalten war, die bereits gezahlten Kosten für die Kreuzfahrt erstattet bekommen. Man würde sogar bei einem Krankenhausaufenthalt oder Quarantäne eine Entschädigung erhalten. * 

Wir durften also alle aufs Schiff und hatten nun die Gewissheit, von lauter negativ getesteten Menschen umgeben zu sein. 

Ganz wichtig zu wissen: Auch die Crew wird natürlich regelmäßig getestet. Jeder Mitarbeiter an Bord trägt eine Maske und sehr oft auch Handschuhe. Und bevor das Schiff im August überhaupt wieder den Betrieb aufgenommen hat, mussten alle Mitarbeiter die 14-tägige Quarantänezeit an Bord verbringen. Erst danach wurde das Schiff für die erste Reise freigegeben. 

Als wir in Genua abfuhren, lag im Hafen neben der Grandiosa übrigens die Magnifica, das zweite Schiff von MSC, das wiedereingesetzt werden sollte. Dort lief nämlich noch die Quarantänezeit, als wir ins Mittelmeer abfuhren.  

An Bord machten wir uns nun mit den neuen Regeln vertraut, ohne die eine Kreuzfahrt zurzeit gar nicht möglich wäre.

Die wichtigste Maßnahme ist, dass es trotz des Tests bei der Einschiffung an Bord eine Maskenpflicht für alle gibt.  

Nur wenn man im Restaurant an seinem Tisch angekommen ist oder sich auf einer Poolliege niedergelassen hat, darf man die Maske absetzen.  

Und in der eigenen Kabine natürlich. Ein toller Service ist, dass man täglich frische Masken in der Kabine vorfindet. So gibt es auch für Maskenmuffel keine Ausreden. Ich muss aber sagen, dass es an Bord sehr gesittet zu ging und es keinerlei Diskussionen in puncto Maske gab, wie man es hierzulande leider immer noch an mancher Supermarktkasse erlebt.  

Rutschte jemandem die Maske unter die Nase, bekam dieser eine nette Geste von einem Crew-Mitglied. Jeden Abend nach der Theatershow erinnerte der Kreuzfahrtdirektor in vier Sprachen daran, die Maske/la Maska/the mask/le masque bitte nicht zu vergessen…außerdem gab es mehrmals täglich Durchsagen dazu.  

Nach all den maskierten Monaten in Deutschland fand ich es nicht mehr seltsam, denn schließlich liefen ja alle so rum. Frau trug eine (meist passende) Maske zum Kleid am festlichen Abend, die Leute tanzten mit Masken Cha-cha-cha und saßen mit Maske im Theater und Casino. Vor ein paar Monaten hätte ich gesagt “Was, im Urlaub immer Maske tragen?” Aber inzwischen ist man ja so daran gewöhnt… 

Übrigens war das Schiff auch nicht wie in normalen Zeiten mit über 6000 Passagieren belegt. Ich habe nicht nachgefragt, schätze aber, dass ca. zwischen 1500 und 2000 Urlauber an Bord waren.  

Die Abstandsregeln konnte man dadurch natürlich gut einhalten und wurde es doch mal enger, z.B. auf der Swarowski Treppe oder der Galeria, hatte man ja immer noch die Maske! Für ein Foto durfte man la maska natürlich immer kurz abnehmen. Und MSC hat auch ein sehr genau durchdachtes Konzept entwickelt, was die Gehwege zu und in den Restaurants und in Shops betrifft.  

Bei unserem Lieblingsthema, dem köstlichen Essen auf einem Kreuzfahrtschiff, gab es nur wenige kleine Änderungen.

 Sehr positiv fand ich die Lösung mit dem Buffetrestaurant. Das Marketplace-Restaurant ist ein sehr großes Buffetrestaurant, das 20 Stunden täglich geöffnet ist. Man kann dort essen, wann immer man möchte, z.B. auch als Alternative zum abendlichen Bedienrestaurant, in dem man eine feste Essenszeit und einen festen Tisch für die gesamte Kreuzfahrt hat und jeden Abend leckere 3-Gänge-Menus genießen kann.  

Bevor man das Marketplace-Buffetrestaurant betreten darf, muss man sich nun, angewiesen von einem extra dafür eingesetzten Crew-Mitglied, die Hände waschen. Vor dem Eingang gibt es immer schon Nischen mit Waschbecken, die vor der Pandemie aber nicht von jedem Gast genutzt wurden!  

Danach geht es weiter zum Temperatur-Check. An der Stirn wird kontaktlos gemessen, das Ergebnis hat das Crew-Mitglied direkt auf dem Handy.  

Den Temperaturcheck muss übrigens jeder Gast zwei Mal täglich machen, die allermeisten erledigen das morgens und abends vor den Restaurants. Lange Wartezeiten gab es trotzdem nie. Meine Großen haben einmal das Frühstück und somit die Temperaturkontrolle verschlafen – mittags klingelte dann in der Kabine das Telefon und die beiden wurden freundlich gebeten, diese Maßnahme bei nächster Gelegenheit nachzuholen.  

Doch zurück zum Buffet. Ein weiteres Crew-Mitglied händigte jedem Gast ein Tablett und Besteck aus, dann konnte man sich an den verschiedenen Stationen, wo man sich früher selbst bedient hätte, die Speisen hinter dem Plexiglas vom Personal überreichen lassen.  

Ein Beispiel: MSC produziert an Bord selbst Mozzarella. Diese kleinen köstlichen Mozzarellakugeln konnte man sich vorher mit einer Kelle aus einer großen Schale entnehmen, jetzt bekam man ein kleines Schälchen mit 3 Kugeln überreicht. Natürlich kann man auch zwei Schälchen ordern, wenn man Mozzarella-Fan ist! An den Pizza-, Pasta-, Fleisch- und Salatstationen bekam man seine Wunschportion frisch auf einem Teller überreicht. Das einzige Problem war, dass man dadurch manchmal zu viele Teller auf dem Tablett hatte…aber vom hygienischen Aspekt war diese Lösung einwandfrei!  

Bei den Bedienrestaurants ist es verpflichtend, sich die Hände an den aufgestellten Spendern zu desinfizieren. Doch auch hier befinden sich Sanitäranlagen in unmittelbarer Nähe, so dass sich auch jeder freiwillig vor dem Essen die Hände waschen darf.  

Hätten die Reedereien das Händewaschen vor den Buffets schon immer verpflichtend gemacht, statt nur auf Desinfektionsspender zu setzen, die auch nicht immer von jedem Gast benutzt wurden – ich habe das bei mehreren Reedereien beobachtet – dann hätte man sich bestimmt so manchen Norovirus an Bord sparen können…! 

Meine Erfahrung vor Corona war: Sobald ein nettes Crew-Mitglied vor dem Restaurant mit der Sprühflasche stand, hat jeder kurz die Hände aufgehalten, wenn da aber nur der Spender stand, sind tatsächlich manche achtlos daran vorbei gegangen. 

Von daher hoffe ich, dass diese Regeln beibehalten werden, ob mit oder ohne Corona. Und auch die Nachlässigen unter uns sollten doch die grundlegenden Hygieneregeln durch die letzten Monate so verinnerlicht haben, dass sie für immer in Fleisch und Blut übergehen! 

Wie laufen die Landausflüge jetzt ab?

Das war für uns, wie ich zuvor schon erwähnt hatte, eine ziemliche Umstellung. Wenn man es vorher gewohnt war, auf eigene Faust loszuziehen, so muss man sich jetzt einer Gruppe anpassen. Es gibt viele unter euch, die immer schon lieber organisierte Landausflüge über die Reederei oder externe Anbieter gebucht haben, denn der Sicherheitsfaktor, garantiert wieder pünktlich aufs Schiff zu kommen, ist da natürlich gegeben! Für diejenigen ist es also keine große Umstellung, doch bei den zurzeit angebotenen Gruppenausflügen sind ziemlich strenge Regeln eingeführt worden, was aber nachvollziehbar ist und auf jeden Fall Sinn macht!  

Eigentlich war die Intention unserer Kreuzfahrt, zu genießen, zu entspannen und als Familie einfach eine schöne Zeit auf diesem herrlichen luxuriösen Schiff zu haben. Die Route war für uns zweitrangig. Mein Mann und die Kinder wären auch die ganze Woche gar nicht an Land gegangen, aber ich wollte unbedingt einen Ausflug unter Corona-Regeln mitmachen, auch um euch Genaues berichten zu können. Also habe ich einen Ausflug nach Pompeji ausgesucht, was für uns reizvoll und neu war, obwohl wir schon 2x in Neapel waren. Außerdem dachte ich, ein Ausflug in eine antike Stadt, die 79 n.Chr. von einem Vulkan verschüttet worden war, sei ein Ziel, das die ganze Familie fasziniert. Und so war es auch.  

Den mächtigen Vesuv hatten wir den ganzen Tag im Blick, morgens vom Balkon, von Pompeji aus und abends beim Ablegen, als es durch die untergehende Sonne über Neapel so aussah, als würde er von Lava umgeben sein. Dieses Auslaufen aus Neapel war definitiv einer der tollsten Momente der Kreuzfahrt. Solche spektakulären Anblicke hat man eben nur aus dieser Perspektive, vom Schiff aus.   

Um es vorwegzunehmen: Ich war von dem Ausflug sehr positiv überrascht.  

Wir waren in einer Gruppe mit nur deutschsprachigen Mitreisenden, ca. 20 Leute fanden sich in unserem Bus ein. Unsere Fremdenführerin sprach sehr gut Deutsch und erzählte uns auf der Fahrt nach Pompeji schon einiges Interessantes. Wir bekamen alle ein kleines Gerät, das wie ein Walkie-Talkie aussah und dazu einen Kopfhörerknopf für ein Ohr. Über das hörten wir, was die Führerin erzählte, auch während der Wanderung durch Pompeji, da sie ein Schutzvisier trug und wir sie sonst kaum alle verstanden hätten.  

Während des gesamten Ausflugs durften wir uns nur in unserer Gruppe bewegen, also kein Stopp am Souvenirstand, kein Getränkekaufen am Kiosk, kein Toilettengang ohne Absprache usw.  

Für mich persönlich war das nicht schwer einzuhalten, aber es gab, ihr habt es vielleicht in den Medien gelesen, bei MSC, TUI und AIDA Cruises jeweils Personen, die sich daran nicht gehalten haben…diese wurden leider nicht mehr an Bord gelassen, sondern durften vom jeweiligen Hafen die Heimreise antreten. 

Nun kann man denken, wie übertrieben ist das bitte? Aber stellt euch mal vor, die Reedereien lassen das bei jedem durchgehen. Wie kann eine Reederei dann noch überzeugend von einem durchdachten Corona-Konzept sprechen und sichere Landausflüge garantieren? Natürlich gar nicht. Also finde ich es absolut ok, wie es gehandhabt wird und auch als Erwachsener muss man sich dann eben mal an Regeln halten, die zu früheren Zeiten nur Kindern beim Schulausflug gepredigt wurden: Wir bleiben alle in einer Gruppe…! Ganz ehrlich, wer damit Probleme hat, der soll dann lieber an Bord oder sogar zu Hause bleiben. 

Ich kann diese Landausflüge allen Kulturliebhabern und Sightseeing-Fans nur empfehlen, preislich war es auch im Rahmen und wenn man sowieso öfter an Land etwas besichtigen möchte, empfiehlt es sich, die Reise als Paket mit drei Landausflügen zu buchen.  

Kommen wir zurück aufs Schiff und die Einrichtungen an Bord, die man aufgrund der Situation nicht nutzen konnte.

Es war z.B die Saunalandschaft geschlossen. Das Spa war aber geöffnet, so dass man sich Anwendungen und Massagen buchen konnte. Alle Pools, auch die Whirlpools waren geöffnet. 

Die Diskothek war natürlich geschlossen, das Casino war aber geöffnet.  

In der Carousel Lounge, dem zweiten Theater am Heck des Schiffes, tritt sonst der Cirque du Soleil at Sea auf. Da die internationalen Artisten aufgrund der Bestimmungen der verschiedenen Länder aber große Aufwände und Probleme mit der Einreise hätten, lässt man dort zurzeit Konzerte stattfinden, z.B. gibt es eine Beatles-Coverband oder eine 60 und 70er Jahre Oldies Show.  

Die größte Einschränkung für meine Familie war, dass die tolle Multifunktionssporthalle nicht freigegeben war, die eine Besonderheit auf den Schiffen der Meraviglia-Klasse ist, denn sie ist wetterunabhängig nutzbar. Ein Paradies für die Kinder…wo sonst kann man mit Meerblick Fußball und Basketball spielen?  

Bei der letzten Kreuzfahrt waren meine Kinder mit ihren Freunden gefühlt den ganzen Tag zwischen dieser Halle und den Kids Clubs unterwegs, spätabends spielten dort Kinder aus allen Altersgruppen mit den Papas noch Fußballturniere. Als wir an Bord hörten, dass nur der Kidsclub ab und zu dort Zeiten anbietet, die Halle aber ansonsten nicht frei genutzt werden darf, war die Enttäuschung schon groß.  

Auch mit den Kids Clubs, die sonst sehr großzügige Öffnungszeiten bis spätabends haben, lief es diesmal etwas anders.  

Und das ist auch der einzige Punkt an der Kreuzfahrt, den ich etwas bemängeln würde, da wir hier im Vergleich zu unserer Reise letztes Jahr die größten Einschränkungen hatten.  

Es war so: An den ersten beiden Tagen war der Kids Club stundenweise geöffnet, dann plötzlich hieß es, die Räumlichkeiten werden für 3 Tage geschlossen, um ein neues Konzept zu erstellen, denn es seien in der Altersgruppe von 4 bis 11 Jahre viele Kinder an Bord. Dafür wurde dann in der Multifunktionssporthalle zwei Mal täglich ein Programm angeboten. Am Ende unserer Reise öffnete der Kids Club wieder in seinen eigenen Räumlichkeiten, allerdings nur für 1,5 Stunden am Nachmittag. 

Der Teens Club hatte sehr spezielle Öffnungszeiten, nämlich von 22.30 bis 23.30h. In dieser Stunde konnten sich die Teenies an Bord dann zum Zocken versammeln. In vollem Umfang standen die Räumlichkeiten, die sonst viel mehr bieten außer Gaming, nämlich nicht zur Verfügung.  

In diesem Punkt hätte ich mir ein besseres Konzept gewünscht, auf das man sich während der gesamten Reise verlassen kann. Aber das Personal war nett wie immer und meine Kinder nutzten dann zumindest die angebotenen Zeiten am Nachmittag gerne aus.  

FAZIT: Ist eine Kreuzfahrt in diesen Zeiten unter diesen Bedingungen denn alles in allem empfehlenswert?  

Es ist ja jedem bewusst, dass die Reedereien zurzeit ein Verlustgeschäft betreiben. Davon war aber bei dieser Kreuzfahrt für uns Passagiere nichts zu spüren. Es gab gefühlt genauso viel Personal wie immer, man wurde die ganze Zeit freundlich umsorgt und die Crew verbreitete beste Urlaubslaune – auch mit Maskenpflicht! 

Die Preise für die Fahrten, die jetzt im Winter in Europa angeboten werden, sind attraktiv. Was MSC betrifft, so hat man die Covid-19-Versicherung und den Test vor der Einschiffung im Preis inklusive, außerdem kann man die Kreuzfahrten auch als auch Pakete buchen, bei denen bereits Landausflüge inkludiert sind. Diesen Rundum-Service hat man bei Pauschalreisen oder der Buchung eines individuellen Feriendomizils natürlich nicht.  

Ein weiterer sehr interessanter Punkt für alle unter euch, die im medizinischen Bereich arbeiten, ist, dass MSC Cruises aktuell hohe Rabatte auf den Kreuzfahrtpreis gibt, und zwar sowohl für die Angestellten selbst als auch für deren Familien. Genauere Infos zu dieser Aktion könnt ihr gerne bei mir erfragen. 

Ich kann sagen, dass ich mich an Bord durch das gesamte Konzept sehr sicher gefühlt habe, sicherer als vielerorts an Land, wo ich nicht weiß, dass der Mensch neben mir gerade negativ getestet wurde und seitdem nicht mit anderen Infizierten in Kontakt gekommen ist. Denn wir verbrachten so unseren Urlaub in einer gut geschützten Blase, in die von außen sehr wahrscheinlich niemand das Virus einschleppen konnte.  

Es gibt nie eine 100%ige Sicherheit, aber da die Hygienestandards und die Sauberkeit auf Kreuzfahrtschiffen ohnehin schon immer sehr hoch waren und man diese jetzt noch einmal enorm verbessert hat, ist der Sicherheitsfaktor hier schon sehr stark. Ich hatte auch keine Bedenken, dass wieder ein Schiff unter Quarantäne gestellt wird. Ich vermute, so weit möchte es keine Reederei nach all den Monaten kommen lassen. Und das erklärt dann z.B. auch das strenge Durchgreifen, was die Landausflüge betrifft. Sollte während der Reise doch jemand von den Passagieren oder der Crew Symptome entwickeln, so werden diese Personen nun sofort isoliert. Man soll bei Symptomen auch nicht selbst herumdoktern, sondern immer den Schiffsarzt aufsuchen, wird in den Durchsagen gebeten. Die medizinische Versorgung an Bord ist ja bekanntlich sehr gut. Und sollte es nötig sein, wird auch ein Arztbesuch im nächsten Hafen durch die Reedereien organisiert.  

Ja, diese Kreuzfahrt war anders als die im letzten Jahr, aber keinesfalls schlechter, im Gegenteil. Es gibt auch viele Vorteile. Vieles läuft ruhiger und entschleunigter. Man kann wunderbar Kraft aus dem Meer schöpfen. Für viele Kreuzfahrtliebhaber bedeutet dieses Auf-dem-Meer-Sein und In-die-Weite-Blicken viel und hilft sehr schnell beim Runterkommen aus dem Alltag und dem beruflichen Stress.  

Man kann wunderbar die Zeit mit der Familie genießen, man kann auch jetzt neue Städte entdecken oder einfach mal in Ruhe das Bordleben eines so schönen Schiffes genießen.  

Ja, ich würde es euch empfehlen, auch in diesen Zeiten einfach mal in See zu stechen, wenn ihr die Gelegenheit dazu habt.  

 

ANMERKUNGEN:  

Laut einem ursprünglichen Entwurf des Maßnahmenkatalogs sollte auch der Kreuzfahrtbetrieb von und zu italienischen Häfen vom 8. November an verboten werden. Doch in dem abschließenden Dekret, das bis zum 3. Dezember gültig sein soll, ist dieses Verbot nicht mehr aufgeführt.” (Artikel aus Counter vor 9 vom 05.11.2020)  

Damit sieht es so aus, als sei ein geplantes Kreuzfahrtverbot wieder fallengelassen. MSC Cruises plant, mit zwei Schiffen, der Grandiosa und der Magnifica, zunächst bis zum Frühjahr 2021 die Mittelmeerrouten weiterzuführen. Die Magnifica pausiert allerdings bis Dezember, die Grandiosa setzt ihre Routen fort.  

Und ich habe aktuell gelesen, dass es zukünftig einen weiteren Corona-Schnelltest für alle Passagiere in der Mitte der Kreuzfahrt geben soll. 

 

* Wer die Versicherungsbedingungen des MSC Extra Covid-19 bei der Europe Assistance gerne im Detail nachlesen möchte, kann sie von mir gerne als PDF-Datei per Email erhalten. 

 

LINKS: 

https://www.cruisetricks.de/coronatests-vor-kreuzfahrten-im-vergleich-pcr-antigen-und-antikoerper-tests/ 

 

 

2021-01-12T11:36:04+00:00